Cambodian Fight Club

Nach dem deutlich verlängerten Aufenthalt in Siem Reap und den Tempeln von Angkor hat es mich in die Hauptstadt von Kambodscha, Phnom Penh, verschlagen. Die Anreise verlief vollkommen problemlos mit einem Minibus und dauerte knapp 5 Stunden mit einer obligatorischen Essenspause. Sogar die Suche nach einer Unterkunft hat sich dann erstaunlich problemlos herausgestellt. Normalerweise reserviere ich meine Unterkünfte gerne einen Tag im Voraus per Internet, aber das war für die gewünschte Unterkunft nicht möglich und da die Zeit davor etwas chaotisch ablief, haben wir es einfach mal probiert die Unterkunft anzufahren. Es war natürlich schon alles ausgebucht als wir am Abend dort angekommen sind, aber um die Ecke liess sich problemlos was finden und das Zimmer ist sogar richtig schön. Aber so kenne ich das ja mittlerweile aus Südostasien, alles kein Problem 🙂

Phnom Penh ist eine sehr angenehme Stadt, welcher man den französischen Einfluss aus der Kolonialzeit noch sehr deutlich ansieht. Das fängt beim schachbrettartigen Strassenmuster an, geht über breite Boulevards hin zu der Uferpromenade (aka Riverside) auf welcher sich abends ein Großteil des Nachtlebens abspielt. Die Stadt hat einen angenehmen Rhythmus und es lässt sich hier wirklich sehr gut aushalten. Das einzige Problem ist, dass es nicht wirklich allzu viele Sehenswürdigkeiten gibt. Es gibt natürlich den Königspalast, die Silberpagode und erneut den ein oder anderen Tempel. Aber das ist alles sehr überschaubar, nicht sonderlich beeindruckend und lässt sich auch locker an einem Tag absolvieren. Und irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Leute auch nicht deswegen hierher kommen, sondern eher um das Nachtleben zu geniessen. Das reicht von sehr leckeren Restaurants über unzählige Bars hin zu den Rooftop-Bars der einschlägigen Guesthouses, die jeden Abend aufs Neue ein Schmelztiegel für die Backpacker der Stadt sind. Aber auch so kann man durchaus seine Nacht verbringen und eine gute Zeit haben 😉

Aber nun ja, irgendwas muss man tagsüber ja auch machen und da hat uns der Lonely Planet ausnahmsweise mal weitergeholfen mit einem kleinen Artikel über die kambodschanische Variante des Kickboxen. Die thailändische Version des Muay Thai ist mittlerweile auch international bekannt und die kambodschanische Version steht der in nichts nach und soll sogar das Vorbild für Muay Thai gewesen sein. Und es handelt sich dabei wirklich um einen Vollkontakt-Sport und nicht um die Kuschelversion, die uns die Klitschkos dieser Welt im Fernsehen bieten. Natürlich ist „normales“ Boxen auch kein Kuschelsport, aber die südostasiatische Version ist doch eine ganze Spur härter und erlaubt den Einsatz der Beine und der Ellenbogen und bietet ein ganz anderes Tempo und ist für die Zuschauer deutlich aufregender.

Veranstaltet wird das Ganze jeweils samstags und sonntags von einem lokalen Fernsehsender etwas ausserhalb und geht so gegen 16:30 Uhr los. Der Eintritt ist kostenlos und kostet nicht so wie in Thailand gut und gerne mal 10 bis 15 Euro. Aber im Zweifelsfall einfach einen Tuktuk-Fahrer danach fragen, die sind meist selbst scharf drauf sich das anzuschauen, was natürlich bei der Preisverhandlung enorm hilfreich ist 🙂 Die Halle selbst ist dann auch nicht mehr als ein Wellblech-Verschlag hinter dem Studio mit einem Ring in der Mitte und Zuschauerplätzen. Es finden normalerweise so zwischen 5-7 Kämpfe pro Veranstaltung statt. Manche sind nur Vorbereitungskämpfe und werden vom Fernsehen nur aufgezeichnet, aber die Hauptkämpfe gibt es gleich live im Fernsehen zu sehen, da dies in Kambodscha die beliebteste Sportart ist. Und das merkt man auch deutlich an der Zuschauermenge, die immer gut mitgegangen ist und die Kämpfer angefeuert hat. Und natürlich gehören auch die obligatorischen Wetten dazu, auch wenn diese hier recht diskret vollzogen wurden.

Wir waren am Samstag und Sonntag dort, nachdem wir am Samstag recht begeistert davon waren. Aber auch hier eher wieder aus photographischer Perspektive, denn wir haben am Samstag unser Ausländerbonus voll ausgespielt und haben es direkt an den Ring geschafft und jeder stand an einer unterschiedlichen Ecke und konnte so wirklich nah am Geschehen dabei sein und ganz gute Photos knipsen, wie ich finde. Sport-Photograph ist auch für mich eine neue Erfahrung gewesen, habe ich vorher auch noch nie gemacht und das A und O ist natürlich eine schnelle Linse und eine gute Position. Für die Position hatten wir ja gesorgt und beim Rest hat mir mein bewährtes Sigma 30 mm f/1.4 sehr weitergeholfen. Hatte am Samstag leider mein Sigma 50 mm f/1.4 nicht dabei, welches für Close-Ups etwas besser gewesen wäre. Aber als ich das dann am Sonntag dabei hatte, war es zum einen nicht mehr möglich direkt an den Ring zu kommen, da die Halle deutlich voller war und es sich wohl auch um bessere Kämpfe gehandelt hat. Und zudem war mein Akku leider leer und die gekauften AA-Batterien haben für gerade mal 10 Photos pro Satz gehalten. Naja, Lektion gelernt würde ich sagen 🙂

Aber auch als Zuschauer war es am Sonntag wirklich sehr interessant gewesen, die Kämpfe waren deutlich besser und auch recht brutal, kaum ein Kampf ohne Blut. Aber die Kämpfer waren teilweise echt sehr gut, unglaublich athletisch und mit einer sehr großen Auswahl an unterschiedlichen Angriffs- und Abwehrtechniken ausgestattet. Hut ab vor so viel Athletik!

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