Der Travelpirate und sein nepalesischer Geburtstag

Wenn es eine Sache gibt, die man einmal im Leben gemacht haben sollte, dann ist das sicherlich seinen Geburtstag in Nepal auf die einheimische Art zu feiern. Eigentlich ist es fast das Gleiche wie in Deutschland und es geht vor allem um das gemeinsame Beisammensein und das Essen, aber dann ist es doch auf vielfältige Weise wieder so anders… Aber glücklicherweise habe ich mich ja für euch geopfert und habe das mal ausprobiert, natürlich nur, damit ich euch hier davon berichten kann 🙂

Ich war die Tage vor meinem Geburtstag auf meiner Trekking-Tour gewesen und so blieben dann noch knapp 2 Tage für die Vorbereitungen und die wurden dann tatsächlich auch gebraucht. Wobei sich mein Teil dabei darauf beschränkt hat, dass ich zum Einkaufen mitgehen durfte. Den Rest haben die Kinder in die Hand genommen und so durfte ich schon zwei Tage vorher nicht mehr in den Study Room und die Kinder haben den fleissig hergerichtet und gemalt und gebastelt. Und bei allem wurde immer sehr stark drauf geachtet, dass ich ja nicht zu nahe an den Study Room komme und auch keinen Blick rein erhasche. Es war richtig schön, die Kinder so eifrig zu sehen und dass sie mal wieder ein bisschen Abwechslung zu ihrem Alltag hatten.

Richtig los ging es dann aber erst am 28.02., also an meinem Geburtstag selbst. Was da so auf mich zukommt, wusste ich nicht wirklich. Ich wusste nur, dass wir tagsüber wenn die Kinder in der Schule sind, das Essen zubereiten und dass noch ein paar Gäste dazustossen sollten. Unter anderem sollte darunter auch die 100-Jährige Oma von Rekha sein. Wow, der erste 100-jährige Mensch, den ich treffe!

Aber davor stand erstmal das Kochen! Die Kinder waren in der Schule, ich hatte vorher mit Chhitij noch schnell die letzten Zutaten gekauft und dann ging es auch schon los. Auf dem Kochplan standen erst mal Chicken Momo und Selroti, ein nepalesisches Süßgebäck welches es nur zu besonderen Anlässen gibt. Wie das mit den Momos ging wusste ich zum Glück schon aus einem Kochkurs, den Rekha für ein paar Engländer gegeben hatte und bei dem ich auch mitmachen durfte. Ich wusste daher also schon, dass dafür ein Großteil des Tages drauf gehen würde für so viele Leute Momos zu machen. Und das ist auch gar nicht so leicht, die Momos zu füllen und dann so kunstvoll zu verschliessen! Sieht so verdammt einfach aus bei Rekha, aber das täuscht wirklich nur! Wir hatten damit schon deutlich mehr zu kämpfen und an die Perfektion und Leichtigkeit von Rekha sind wir nicht rangekommen, aber es war zumindest ganz ansehnlich.

Und ganz wichtig ist es natürlich auch bei der Füllung für die Momos die richtige Mischung zu beachten! Auf 2 Kilo Chicken kommen nämlich 1 Kilo Zwiebeln und ein halbes Kilo Knoblauch! Aber auch das war nichts Neues mehr für mich, da hier eigentlich in jedem Gericht Unmengen an Zwiebeln und Knoblauch drinnen sind 🙂

Somit waren wir also tagsüber gut beschäftigt und die Küche hat sich immer mehr gefüllt. Irgendwann sind erst die Vermieter aus dem Obergeschoss dazu gestossen, dann noch die Nachbarn von links nebenan und es wurde immer voller und chaotischer. Aber es hat natürlich auch Spass gemacht, mal hat man ein paar Momos gefüllt, mal ein bisschen auf Sunmoon aufgepasst und es wurden immer mehr Schneidebrettchen und Schüsseln aus den Haushalten dazu geholt. Richtig Leben in der Bude halt!

Pünktlich um 15:15 Uhr habe ich die Kinder dann wieder von der Schule abgeholt und dann hat sich auch herausgestellt, dass die Momos eigentlich nur so als kleine Zwischenmahlzeit gedacht sind und es für den Abend Fried Chicken mit Reis und den üblichen Gemüsecocktails geben soll. Also noch mal flugs weitere 4 kg Hühnchen gekauft und dann konnte es auch schon weiter gehen. In der Zwischenzeit hat sich das Haus immer mehr gefüllt, es sind dann noch Rekha’s Eltern, ein paar Cousins und wie versprochen ihre 100-jährige Großmutter dazu gestossen. Und Respekt, für das Alter ist die Frau wirklich noch verdammt fit, muss am lebenslangen Dhaal Bhat liegen 🙂

Ihr könnt euch vorstellen, dass das Gewusel im Haus entsprechend groß war und ich hatte immer weniger Orte, an denen ich mich überhaupt aufhalten durfte. Study Room und Hinterhof ging schon mal gar nicht mehr, die Zimmer der Kinder waren auch schon längst Sperrzone und irgendwann durfte ich auch nicht mehr in die Küche. Da die einzige Alternative zu meinem Zimmer dann noch die Toilette war, bin ich einfach in meinem Zimmer geblieben und habe das Getuschel und Getue aus dem Türrahmen heraus beobachtet. Aber alle hatten offensichtlich ihren Spass und Rekha meinte immer nur, wie „Happy“ sie doch sei und ob ich auch „Happy“ bin. Und das war ich natürlich auch!

Das Ganze hat sich dann noch ein bisschen in die Länge gezogen, denn wir mussten natürlich erst wieder auf den Strom warten, der irgendwann nach 19 Uhr wieder da war. Und dann war es endlich so weit und ich durfte die Heiligen Hallen betreten! Und die Kids hatten sich wirklich Mühe gegeben und den Study Room sehr schön hergerichtet mit Luftballons, diversen Bannern und Zeichnungen. Die gesamte Geburtstagsgesellschaft sass in dem Raum und vorne war ein Tisch mit dem Kuchen aufgebaut und dort durfte ich dann Platz nehmen. Ab diesem Zeitpunkt habe ich dann auch die Kontrolle aus der Hand gegeben, denn ich durfte danach eigentlich nur noch dort vorne sitzen und das Programm haben dann alle anderen veranstaltet.

Und irgendwie wurde ich den Eindruck nicht los, dass es eigentlich nur darum ging, das Geburtstagskind auf möglichst viele unterschiedliche Weisen einzusauen 🙂 Angefangen hat es mit den mit Glitter über mir hängenden Luftballons, die pünktlich zum Ausblasen der Kerzen zerplatzt wurden. Weiter ging es dann über das Anschneiden der Torte, nach dem mich Rekha dann mit einem Stück der Torte gefüttert hat und der Rest des Stücks dann von ihr mit Freude in meinem Gesicht verteilt wurde. Aber immerhin durfte ich das Gleiche dann auch bei ihr machen. Und dann ging es ohne große Umschweife auch schon zur Tikka über. Dabei wurde mir nach buddhistischer Tradition von jedem Gast rot gefärbter Reis auf die Stirn gedrückt und ein bisschen davon ist sogar immer kleben geblieben, der Rest landete sonstwo. Bei der Tikka wurde auch strikt die Rangfolge im Raum eingehalten und angefangen hat die 100-jährige Großmutter von Rekha, dann waren Rekha’s Eltern dran, dann die Nachbarn, dann DB & Rekha und schließlich die Kinder.

Ich sass währenddessen einfach nur auf meinem Stuhl, hab mir den Reis auf die Stirn drücken lassen und habe die Glückwünsche in Empfang genommen. Wichtig bei dem ganzen Prozedere ist auch, dass man der Ehrenperson was in die Hand drückt. Daher gab es sogar ein paar Geschenke und wer nix hatte, der hat mir vom Tablett mit den Räucherstäbchen zumindest zwei Blüten in die Hand gedrückt. Und natürlich habe ich gleich vier dieser tollen Tücher sowie ein Blumenkette umgehängt bekommen, damit ich auch ja deutlich gekennzeichnet war. Besonders gefreut habe ich mich dabei über das T-Shirt mit dem Logo der Foster Foundatin Nepal, das DB extra hat anfertigen lassen sowie über mein persönliches Dakatopi, den speziellen Hut für den nepalesischen Mann von Welt. Und natürlich über die Zeichnungen der Kinder, die es auch definitiv mit bis nach Deutschland schaffen werden.

Das hat sich dann alles hingezogen, aber die Leute hatten alle ihren Spass und ich war mittendrin und habe es auch einfach nur genossen. Und danach ging es dann endlich auch ans Essen und erstaunlicherweise wurde erst mit dem Kuchen begonnen. Bis dieser verteilt war und man angefangen hatte zu essen, kamen in der Zwischenzeit auch schon aus der Küche die Teller mit dem „richtigen“ Essen und so ist an dem Abend sicherlich keiner verhungert. Und damit war es dann wie gesagt auch ein bisschen so wie in Deutschland und man sass gemütlich beisammen und hat gegessen, was die Teller so hergaben. Dazu wurde noch geredet und gescherzt und ehe man sich versah, war auch schon 22 Uhr und die meisten Gäste sind dann aufgebrochen und wir waren mehr oder minder unter uns. Daraufhin haben die Kinder dann angefangen, uns eine Tanzvorführung zu geben und hatten sichtlich Spass dabei. Irgendwann sind dann auch DB und Rekha wieder zu uns gestossen und dann mussten wir natürlich alle noch ein bisschen tanzen. Und irgendwann um 23 Uhr sind die Kinder dann auch todmüde und erschöpft ins Bett gefallen und ich gleich hinterher.

Ja, so ist das halt bei einem nepalesischen Geburtstag und am besten schaut ihr euch einfach die Bilder an, die können das Ganze viel besser transportieren als all meine Worte:

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