Annapurna II

Die Reise nach Pokhara

Schönen guten Morgen, liebe Welt!

Ich liege gerade noch im Bett meines kleinen Zimmers im Waisenhaus von DB und Rekha und finde keinen Schlaf mehr, da ich gestern schon sehr früh ins Bett gegangen bin und eigentlich auch schon fit bin. Die Kinder erwachen auch schön langsam und das Haus füllt sich mit Leben. Bevor ich mich allerdings in dieses Leben stürze, will ich erst noch mal kurz meine Gedanken sortieren und mit euch teilen.

Es tut sich wirklich viel hier bei mir in Nepal. Ich wollte euch eigentlich noch so viel von Kathmandu erzählen und ich habe noch so viele tolle Bilder, die ich euch zeigen will. Die Geschichten und Bilder aus Kathmandu werdet ihr auch noch hören und sehen, aber mit der richtigen Chronologie wird das nichts mehr. Dazu schreitet das Leben hier einfach zu schnell voran und ich geniesse die Zeit zu sehr, dass ich sie nur hinter dem Notebook verbringen will. Aber das war ja auch nicht der Sinn der Reise…

Nach drei tollen, aufregenden, verstörenden, interessanten, lehrreichen und abenteuerlichen Tagen in Kathmandu habe ich am Sonntag den Touristenbus in Richtung Pokhara bestiegen. Der Bus hat Kathmandu so gegen 7 Uhr in der Früh verlassen und die Fahrt dauerte mit allen Zwischenstopps ungefähr 8 Stunden. Aber ich habe diese Fahrt sehr genossen, auch wenn mir Raj aus dem Guesthouse in Kathmandu doch nahegelegt hatte, dass ich doch lieber fliegen soll. Dauert nur 20 Minuten und er macht mir einen sehr guten Preis. Aber so ist das halt hier, jeder ist ein Business Man und will einem etwas verkaufen. Dabei sind sie aber immer sehr nett und nie aufdringlich. Man muss einfach nur recht bestimmt sagen, was man will und das ist das auch in Ordnung so.

Die Fahrt im Bus führte erst mal raus aus Kathmandu und nachdem wir die Stadt erst mal hinter uns gelassen hatten, ging es direkt ab in den Himalaya. Und die Berge sind wirklich sehr beeindruckend und schön anzusehen, erst recht nach 3 Tagen in der verschmutzten, engen und lauten Großstadt. Da war das eine richtige Wohltat! Sowohl für die Augen als auch für alle anderen Sinne. Die Luft fühlt sich tatsächlich mal wieder ein bisschen nach Luft an. Ach, was für eine herrliche Natur Nepal hier zu bieten hat!

Leider stößt man aber auch hier immer wieder auf die allgegenwärtige Armut. Bei den meisten kleinen Dörfern auf der Strecke ging mir jedes Mal durch den Kopf, was zum Teufel die Leute den hier anfangen sollen? Die Häuser, so man sie denn so nennen kann, sind teilweise ein paar alte Steine notdürftig miteinander verbunden und ein bisschen Wellblech. Und darin bzw. davor wohnt dann eine Großfamilie. Und wie soll diese Familie dann an Essen kommen, geschweige denn Geld verdienen? Und dieser starke Kontrast dann immer vor der wahnsinnigen Kulisse des Himalaya. Ja, Nepal hat tatsächlich viele Seiten zu bieten und leider sind diese meist sehr konträr…

Ich wurde dann von DB und seinem ältesten Sohn am Busbahnhof in Pokhara sehr zuvorkommend empfangen und die Freude war auf beiden Seiten gross. Es gab keine allzu großen Berührungsängste und so ging es dann auf direktem Wege ins Waisenhaus und dort wurde ich gleich von allen 10 Kindern empfangen. Denn wie fast nicht anders zu erwarten, war am Sonntag mal wieder ein Feiertag gewesen und die Kinder mussten nicht zur Schule gehen. Daher konnte ich gar nicht lange überlegen und wurde mitten rein geschmissen und los geht mein Leben als Volunteer…

Wir haben dann den Nachmittag und Abend mehr oder minder auf dem Hinterhof verbracht, ich habe mich vorgestellt, die Kinder haben sich vorgestellt und dann war es auch nicht viel hin mit Berührungsängsten, die Kinder haben mich gleich für diverse Spiele und Aktivitäten in Beschlag genommen. Die Verständigung klappt eher mit Händen und Füssen, die kleineren Kinder sprechen natürlich noch kein Englisch, aber das macht nun nicht wirklich was aus. Und spätestens mit meinem Gastgeschenk für jedes Kind, einer kleine Rakete aus Schaumstoff, war das Eis gebrochen und der Hinterhof war voller Leben. Ich mittendrin und sehr glücklich…

Nach Einbruch der Dunkelheit gab es dann das typische Dhaal Bhat und ich glaube soviel Gemüse habe ich noch nie in meinem ganzen Leben gegessen 😉 Dhaal Bhat besteht aus Reis, einer Linsensuppe und eben viel Gemüse. Dabei wird die Linsensuppe dann über den gesamten Brei aus Reis und Gemüse geschüttet und ergibt so eine bunte Melange an unterschiedlichen Geschmäckern. Aber erstaunlicherweise schmeckte es sogar ganz gut, es war gut gewürzt und das hat mich das Gemüse dann fast wieder vergessen machen. Ich hatte dann auch keine andere Wahl und habe meinen Teller natürlich brav aufgegessen. Dabei sind die Portionen aber schon wirklich sehr gross, ich hatte meine liebe Mühe und Not damit, ganz zu schweigen davon, dass die Kinder viel schneller fertig waren mit dem Essen…

Danach war dann auch recht schnell Nachtruhe angesagt, die Kinder haben sich auf ihre Zimmer zurückgezogen. Es gibt dabei ein Zimmer für die Jungs und eines für die Mädchen. Ich habe mich dann noch ein bisschen mit DB unterhalten und bin dann auch auf mein Zimmer gegangen. Da es natürlich mal wieder keinen Strom gab, habe ich dann im Schein einer Kerze meine Sachen ausgepackt, mich etwas eingerichtet, noch ein paar Bilder bearbeitet und bin dann aber recht schnell eingeschlafen. Und erstaunlicherweise habe ich sehr gut geschlafen, obwohl ich gar keine Ohrstöpsel mehr reingetan hatte, wie DB mir das wärmstens empfohlen hatte. Naja, muss wohl an den Ereignissen des Tages gelegen haben…

Und nun heißt es für mich aufstehen, ein neuer Tag beginnt und die Kinder haben heute auch noch keine Schule, daher darf man gespannt sein, was der Tag so alles mit sich bringt…

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