Pokhara, die schönste Stadt im schönsten Land der Welt

Diese Ansicht vertritt zumindest der Leiter des nepalesischen olympischen Komitees und dem widerspricht man natürlich nicht! Auch wenn ich die Meinung so nicht ganz teile, ist Pokhara aber auf jeden Fall ein ganz besonders schönes Fleckchen Nepals. Wobei die Stadt dazu eigentlich nichts beiträgt, das besorgt die Natur schon ganz alleine. Der Phewa Lake mit dem Himalaya-Gebirge im Hintergrund ist aber auch einfach der Wahnsinn! Da sieht man dann auch drüber hinweg, dass die Stadt selbst eigentlich ein Schandfleck inmitten dieser tollen Natur ist.

Aber jetzt erst mal Stopp! Was hat denn jetzt der Leiter des nepalesischen olympischen Komitees damit zu tun? Tja, so ist das halt, wenn man als Travelpirate unterwegs ist, da lernt man dann die richtig wichtigen Leute kennen 😉 Zumindest kam ich mir heute auf der Eröffnungsveranstaltung des Lehrgangs für Taekwondo-Lehrer ein bisschen so vor. Chitij, der älteste Sohn der Familie ist Träger des schwarzen Gurts im Taekwondo und hatte heute eben den ersten Tag des besagten Lehrgangs. Cool, dachte ich mir, da geh‘ ich doch mal mit und schau mir mal ein bisschen sein Taekwondo an und lerne so auch die Stadt und Leute besser kennen. Das mit der Stadt und den Leuten hat geklappt, das mit dem Taekwondo nicht.

Schon die Anreise in einem nepalesischen Linienbus war den Ausflug wert. Nepalesen sind im allgemeinen etwas kleiner und daher sind die Busse das entsprechend auch. Blöd, also wenn man 1,91 m groß ist und trotzdem mitfahren will. Noch blöder, wenn man stehen muss und den Kopf die ganze Zeit gewaltig einziehen muss. Nur gut, dass die Fahrt nur ca. 10 Minuten gedauert hat! Und die nächste Überraschung bot dann der Lehrgang. Denn natürlich könnte man dort auch einfach Taekwondo lehren, wie das sich der naive Travelpirate so gedacht hat. Aber es ist doch viel lustiger, den Tag damit zu verbringen, alle möglichen wichtigen Leute einzuladen und die dann erst mal alle einzeln vorzustellen und ihnen einen komischen gelben Vorhang umzuhängen, damit wir auch nicht vergessen, dass sie wichtig sind! Und noch toller ist es dann, wenn alle noch Reden halten dürfen und man kein Wort davon versteht!

Wobei, ganz stimmt das auch nicht, denn so ungefähr jedes zweite Wort war „Nepali“. Das hatte mich ja schon auf die Fährte gebracht, dass sie da vorne wirklich an ihrem Land hängen müssen. Und glücklicherweise hat der Leiter des nepalesischen olympischen Komitees die extra angereiste Delegation aus Korea auch auf Englisch willkommen geheißen, natürlich in der schönsten Stadt im schönsten Land der Welt! Damit war die Sache  klar und im Nachhinein habe ich mir das dann auch bestätigen lassen, dass die anderen nepalesischen Redner im Endeffekt auch nur über Nepal gesprochen haben. Sagen wir es einfach mal so: Man kann sein Land ja lieben, aber was zum Teufel hat das auf einem Lehrgang für angehende Taekwondo-Lehrer zu suchen?

Zum Glück kam mich DB nach ungefähr zwei Stunden erlösen und ich habe die Chance dankend angenommen, den weiteren drei Stunden Reden zu entkommen. Und als ich mich schon auf eine weitere Fahrt mit dem Bus gefreut hatte, kam die nächste Überraschung, da ich gar nicht wusste, dass DB ein Motorrad hat und auch mit diesem unterwegs war. But hell, yeah! Travelpirate on a bike! Das alleine war schon Abenteuer genug, hinter DB auf dem Motorrad festgeklammert durch den verrückten nepalesischen Verkehr zu fahren. Und wenn man von bewusstseinsverändernden Momenten spricht, dann gehört die Fahrt definitiv dazu! Sagen wir es einfach so, dass keine Menschen oder Kühe zu Schaden gekommen sind, man jedem entgegenkommenden Bus noch irgendwie ausweichen kann und der Spass erst begonnen hatte, nachdem wir die asphaltierte Hauptstrasse verlassen hatten 😉

Der Rest vom Tag war recht ereignislos, die Kinder hatten heute ja mal wieder Schule. Zum Schulschluss habe ich sie von dort abgeholt, die Anzahl stimmte und offensichtlich hatte ich auch die richtigen Kinder erwischt, was will man mehr! Oh doch, eine außergewöhnliche Sache gab es doch noch! Es gab heute eine dritte Mahlzeit und es war kein Dhaal Bhat! Keine Ahnung was da los war, aber es war sehr lecker und ich muss mir von Rekha dringend erklären lassen, wie man diese Teigfladen mit Curry macht. Haben natürlich auch einen Namen, aber den habe ich jetzt schon wieder vergessen…

Sowieso ist Nepalesisch für mich noch ziemlich schwierig. Die Kinder haben heute angefangen mir ein bisschen was beizubringen und irgendwie klingt alles so gleich und überhaupt! Da muss ich definitiv noch etwas üben, um mich nicht ganz zu blamieren. Aber zumindest die Wörter für Bruder und Schwester kann ich schon ohne Probleme. Und so fühle ich mich hier auch!

Die Bilder in der Gallerie stammen von einem ersten kurzen Erkundungsgang zusammen mit Chitij am Phewa Lake. Und da gibt es definitiv noch viel mehr zu erkunden und ich werde noch viele Stunden an dessen Ufer verbringen und die nähere Umgebung erkunden. Beim ersten Mal hat es nur für den Besuch des Barahi Tempels gereicht, der sich auf einer Platform mitten im See befindet und nur per Boot erreichbar ist. Aber endlich war der Travelpirate damit in seinem Element! Arr! Der Tempel ist recht unspektakulär, aber ich bin ab jetzt auch Hinduist wie die Tikka auf den Bildern zeigt. Überhaupt sollte einfach jeder Mensch jeder Religion angehören, das würde doch vieles so viel einfacher machen! Zumindest in Asien hat man mit dem Nebeneinander der Religionen im Alltag überhaupt kein Problem, da können noch viele was davon lernen!

Für die meiste Unterhaltung hat aber ein kleiner Junge gesorgt, der auch auf der Inselplattform war und sich recht unvermittelt aller überschüssigen Kleider entledigt hatte und angefangen hat, an den Stufen der Plattform nach Geld zu tauchen. Dabei war das Wasser schon noch recht kalt und das hat man ihm auch deutlich angemerkt! Herrlich war immer nur sein Gesichtsausdruck als er den Kopf dann wieder aus dem Wasser gezogen hatte. Aber was soll man sagen, er hat tatsächlich ein paar Münzen gefunden und dabei die Zuschauer so gut unterhalten, dass es auch noch eine Packung Kekse obendrauf gab. Und dreimal dürft ihr raten, wer auf der Rückfahrt vorne im Boot saß und den Kapitän gegeben hat?

Damit soll es für heute erst mal genug von mir aus Pokhara sein. Ich weiss, dass ihr alle gespannt auf die Bilder von den Kindern wartet, aber ich habe bisher ehrlich gesagt die Kamera noch kein einziges Mal im Waisenhaus ausgepackt, da ich mich bisher einfach voll und ganz auf die Kinder konzentrieren wollte. Aber auch hier folgen demnächst Bilder, versprochen!

[AFG_gallery id=’11‘]