Annapurna V

Poon Hill Trek Tag 2: „Gott sei Dank, DB hat wirklich nicht gelogen“

Wie ihr sicherlich schon gelesen habt, war Tag 1 meiner kleinen Trekking-Tour mit dem Aufstieg nach Ulleri mein persönlicher Kampf und mein Wille hatte über mein Fleisch bzw. meine Nase und die mangelnde Luftzufuhr gesiegt. Und DB hatte mir ja auch versprochen, dass ich damit das Schlimmste hinter mir hätte und die folgenden Tage leichter würden. Das Problem dabei ist nur, dass DB zum einen sicherlich ein anderes Empfinden hat als ich und zum anderen wusste man nie so genau, ob er jetzt mit der ganzen Wahrheit rausgerückt ist oder mich erst mal nur schonen wollte, um mich dann vor dem nächsten Aufstieg zu beschwören, dass es diesmal nur 2 Stunden steil bergauf geht…

Aber um es vorwegzunehmen, er hat sein Wort gehalten und der zweite Tag war deutlich entspannter und ich konnte ihn eigentlich wunderbar geniessen. Auf dem Programm stand heute der Aufstieg nach Ghorapani, welches die Basis zum Aufstieg auf den Poon Hill und den damit verbundenen obligatorischen Highlight des Sonnenaufgangs über der Annapurna bilden sollte. Aber vor dem Aufstieg stand erst mal ein leckeres Frühstück. Und dabei habe ich dann auch endlich den schönen Ausblick auf die Annapurna entdeckt, der sich hinter dem Guest House versteckt hat und der mir am Vorabend noch verschlossen blieb. Schon von dort ein faszinierender Anblick, aber das war nur der Auftakt zu noch vielen fantastischen Ausblicken und diese haben sich wirklich von Frühstück zu Frühstück gesteigert, aber das werdet ihr dann schon noch sehen. Auch vom Dach des Guest Houses hatte man einen tollen Ausblick und dort hatte ich dann auch noch mal Jimmy Wood getroffen, mich noch ein bisschen mit ihm unterhalten und mich dann verabschiedet. Für ihn stand an dem Tag die Dokumentation der Techniken des letztens Bogenmachers in der Region an, für mich der Aufstieg nach Ghorapani.

Dieser war wie gesagt sehr gut machbar und auch die Landschaft hatte einiges an Abwechslung zu bieten. Es ging durch ein schönes Tal mit einem kleinen Flüsschen, das zwischendurch immer wieder durch kleine Wasserfälle zu gefallen wusste. Auch die Vegetation war eine ganz andere, es ging eher in Richtung Regenwald und das alles auf einer Höhe deutlich über 2000 m Meter. Und da man auch nicht nur mit Luftholen beschäftigt war, konnte man das alles sehr schön geniessen und den Blick immer mal wieder schweifen lassen. Echt toll!

Zur Mittagspause sind wir dann erneut in einem Gasthof auf der Strecke eingekehrt, die Sonne hat wunderschön geschienen und wir haben es beide sehr genossen und haben etwas länger Pause gemacht. Aber das konnten wir uns auch ohne Probleme erlauben, da der heutige Tag nur eine Laufstrecke von ca. 5 Stunden bot. In der Mittagspause hat man dann auch wieder bekannte Gesichter – Katrin aus Berlin von letzten Abend – und neue Gesichter – ein sehr nettes englisches Pärchen aus der Nähe von Birmingham – getroffen und sich sehr angenehm unterhalten.

Danach ging es dann entspannt weiter und so hatten wir den Torbogen nach Ghorapani tatsächlich schon so gegen 15 Uhr erreicht. Ebenso hatten wir damit 2874 Meter erreicht und uns trennten nur noch ca. 300 Höhenmeter vom Poon Hill. Ghorapani an sich ist ein kleines nettes Dorf, das natürlich voll auf Trekker ausgerichtet ist und außer ein paar Gasthäusern nichts weiteres zu bieten hat. Außer natürlich vielleicht dem schon aus dieser Höhen wirklich genialen Ausblick auf die Annapurna-Gebirgskette. Daher hatte ich mir natürlich gleich nach dem Ablegen meiner Sachen im Hungry Eye Guest House (Klare Empfehlung!) die Kamera geschnappt und bin auf eine kleine photographische Entdeckungstour gegangen. Tolle Ausblicke, schöne Lichtstimmung, endlich auch der erste Schnee und – ganz wichtig – endlich Rhododendron! Das ist nämlich die Nationalblume von Nepal und darauf sind sie sehr stolz! DB hat mir zumindest immer wieder davon erzählt und auch den Kindern mussten wir ein paar Blüten mitbringen, da er nur in der Höhe wächst.

Nach der Phototour habe ich mich dann mit den anderen Trekkern auf dem kleinen Marktplatz eingefunden, die Sonne genossen und erneut Geschichten ausgetauscht. Und dabei habe ich auch meinen neuen besten Freund kennengelernt: Donkey! Ich war im angeregten Gespräch und auf einmal war der Esel da gewesen. Aber nicht nur einfach da gewesen, sondern er stellte sich mit seinem Gesicht ca. 10 Zentimeter neben mich, ich habe es gar nicht gemerkt und erst mein Gesprächspartner hat mich drauf hingewiesen. Ich mich also umgedreht, ja, und da war er dann einfach! Und ging auch nicht mehr weg! Er stand sicherlich eine halbe Stunde da, hat sich bereitwillig von mir streicheln und photographieren lassen. Aber es ist gut zu wissen, dass man überall in der Welt Freunde hat!

Aber irgendwie war mir der Tag zu kurz gewesen, in Ghorapani gab es nix mehr zu entdecken und ich hatte noch zuviel Power übrig. Und zudem hatte Katrin mir beim Mittagessen den Floh ins Ohr gesetzt, dass sie bereits zum Sonnenuntergang auf den Poon Hill steigen würde, da sie eine andere Route geht und am folgenden Tag einen sehr langen Tag vor sich hätte und daher nicht auch noch den eigentlich obligatorischen Sonnenaufgang mitnimmt. Und ich so: Warum eigentlich nicht? Also kurz mit DB geredet und ihm klar gemacht, dass ich gerne heute den Sonnenuntergang und morgen dann trotzdem auch den Sonnenaufgang sehen will und schon waren wir auf dem Aufstieg auf den Poon Hill 🙂

Der Aufstieg selbst ist dann recht knackig, 300 Höhenmeter in ungefähr 45 Minuten. Aber nach Ulleri konnte mich ja nichts mehr schocken. Und was soll ich sagen? Der Sonnenuntergang war tatsächlich auch sehr schön und hat dem Sonnenaufgang am folgenden Morgen starke Konkurrenz gemacht. Aber das dürft ihr dann selbst im nächsten Artikel zu meiner Trekking-Tour entscheiden…

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