Trekking

Annapurna V

Poon Hill Trek Tag 2: „Gott sei Dank, DB hat wirklich nicht gelogen“

Wie ihr sicherlich schon gelesen habt, war Tag 1 meiner kleinen Trekking-Tour mit dem Aufstieg nach Ulleri mein persönlicher Kampf und mein Wille hatte über mein Fleisch bzw. meine Nase und die mangelnde Luftzufuhr gesiegt. Und DB hatte mir ja auch versprochen, dass ich damit das Schlimmste hinter mir hätte und die folgenden Tage leichter würden. Das Problem dabei ist nur, dass DB zum einen sicherlich ein anderes Empfinden hat als ich und zum anderen wusste man nie so genau, ob er jetzt mit der ganzen Wahrheit rausgerückt ist oder mich erst mal nur schonen wollte, um mich dann vor dem nächsten Aufstieg zu beschwören, dass es diesmal nur 2 Stunden steil bergauf geht…

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Way to Ulleri X

Poon Hill Trek Tag 1: „Warum mache ich das nochmal?“

Am Donnerstag nach der gesamten Feiertagsorgie war es endlich soweit und ich konnte die Kinder guten Gewissens ein paar Tage verlassen und zu meiner Trekking-Tour auf den Pool Hill starten. Die Vorfreude war entsprechend gross und pünktlich um 8 Uhr haben DB und ich das Haus verlassen. Natürlich nicht ohne den Kindern Lebewohl zu sagen. Und auch wenn wir nur 4 Tage weg sein werden, werde ich sie sicherlich vermissen, denn sie sind mir schon jetzt ziemlich ans Herz gewachsen, die kleiner Racker!

Und was steht vor dem Trekking? Richtig, eine weitere Taxifahrt des Todes 🙂 Gut, ganz so schlimm war es dann doch nicht, aber so richtig sicher fühlt man sich nie in diesen kleinen Taxis von denen man meint, man muss nur einmal pusten und sie zerfallen in ihre Einzelteile. Aber glücklicherweise ging es fast nur bergauf und so mussten wir die Bremsen dieses Gefährts nicht wirklich testen. Eine wirklich vertrauenserweckende Massnahmen war es auch nicht, dass wir vorher in Pokhara noch in die Werkstatt mussten und dort ein Reifen repariert wurde, aber der landete ja nur im Kofferraum und das Taxi hatte vier andere, musste also alles gut gehen! Ich habe ja schließlich auch alle Motorrad-Fahrten bisher überlebt, da lass ich mich doch nicht von so einem Taxi ausbremsen!

Die Fahrt dauerte dann mit knapp 2 Stunden für ca. 50 Kilometer auch entsprechend lange, die Strassen waren teilweise jenseits von gut und böse, der Verkehr verrückt wie immer und doch sind wir gut an unserem Ausgangspunkt in Nayapul angekommen. Der war nun erstmal recht unspektakulär, da wir eigentlich direkt an einer Abzweigung der Hauptstrasse abgesetzt wurden. Und damit ging der Trek dann richtig los. Und natürlich wären wir nicht in Nepal, wenn es nicht erstmal zwei Kontrollpunkte auf der Strasse geben würde für die unterschiedlichen Permits, die man so zum Trekken braucht. Aber darum hatte sich DB ja bereits im Vorfeld gekümmert, ich musste nur 2 Passbilder und ca. 35 € beisteuern. Und es war natürlich auch alles in Ordnung, also den kleinen Ort hinter uns gelassen und ab in die Annapurna Conservation Area. Und das war echt ein gutes Gefühl in die Wildnis loszustarten! Es ging recht locker los, man hatte recht lange einen tollen Ausblick auf den Siebentausender Fistel mit seiner markanten Spitze. Ab und an kam mal eine Steigung, aber bis dahin noch keine Herausforderung, sondern eher ein gemütlicher Spazierganz und man konnte das schöne Tal mit Fluss sowie die Aussicht auf die Berge voll und ganz geniessen.

So waren die ersten 1,5 Stunden schnell um und dann gab es die erste Einkehr und das erste Mal kein Dhaal Bhat für mich, sondern gebratenen Reis und ein tibetanisches Brot. Im Übrigen stand hier für einen echten Nepali wie DB gar nicht zur Diskussion, was es gibt, denn es gibt einfach keine Alternative zu Dhaal Bhat. Mein Essen war sehr lecker, aber auch eine Riesenportion! Und gerade diese Riesenportion sollte sich dann recht schnell rächen! Denn danach war es vorbei mit einfachem Klettergelände und die in den Berg gehauenen Steine gingen los. Aber auch das noch ganz gut machbar, ab und an gab es mal richtig steile Stücke, so dass ab hier dann die Trekkingstöcke zur Entlastung zum Einsatz kamen. Und die sind gar nicht so schlecht die Teile, bin froh, dass DB mich überzeugt hat, diese noch vorher in Pokhara zu kaufen.

So ging es bis zu einem kleinen schönen Wasserfall weiter, der natürlich erst mal photographiert werden wollte. Dort gab es auch die ersten beiden Hängebrücken, zwar sehr stabil aus Eisen, aber ich mag dieses Gefühl dort rüberzugehen und unter sich eine Schlucht zu haben und dabei auf der Brücke zu wippen. That’s fun! Aber nach diesem kleinen Highlight war es endgültig vorbei, der Aufstieg nach Ulleri, unserem ersten Stop, begann und der ist berühmt-berüchtigt und ich sollte auch schon bald erfahren warum! Mein Körper war mehr mit dem Verdauen des Mittagessens beschäftigt als mit allem anderen und das war angesichts der wirklich steilen Treppen keine allzu gute Idee. Zum einen musste man ständig auf der Hut sein und aufpassen wohin man den nächsten Schritt setzt. Zum anderen war das halt einfach verdammt steil und ich merkte mal wieder, dass ich ein alter Mann bin 🙂 Oder zumindest kein besonders gut trainierter Mann 🙂

Das ging echt ganz schön in die Beine und Gelenke und ging vor allem gut 3 Stunden so. Man schleppte sich dann halt einfach immer nur noch weiter und bald begann die Phase, wo man sich nur noch von Plateau zu Plateau gekämpft hat. Dann ging es über in die Phase „Die drei Stufen gehen noch…“ bis man letztendlich soweit gekommen war nur noch von Stufe zu Stufe zu denken. Entsprechend wurden recht viele Pausen eingelegt und es ging mühsam voran. Aber das wusste ich ja eigentlich schon vorher und hatte es als persönliche Herausforderung genommen. Und außerdem sind Piraten ja auch nicht an Land zuhause 😉

Was soll ich sagen? Es war ein Kampf mit mir selbst, irgendwann ging es nur noch über den Kopf, aber es ging! Und dabei tat mir eigentlich nichts wirklich weh, aber ich bin immer recht schnell außer Atem gekommen. Und richtig hoch waren wir auch noch nicht, daher muss ich das wirklich auf meine Untrainiertheit schieben und habe den ersten guten Vorsatz für die Zeit nach meiner Rückkehr in Deutschland. Und wohlgemerkt habe ich bei all dem mein Gepäck schön selbst getragen, nicht so wie diese asiatischen Möchtegern-Trekker mit ihren Sherpas im Schlepptau 😉 Und natürlich musste mein Notebook und noch jeden Menge anderer Kram mit, so dass mein Rucksack nun auch nicht soooo leicht war. Aber da muss man dann halt durch, ich habe es mir ja so ausgesucht! Frustrierend war es aber trotzdem immer, wenn die Sherpas von anderen Trekkern mit 2-3 Rucksäcke im Schlepptau locker und leicht an einem vorbei gezogen sind. Also, diesen Nepalis liegt das Bergsteigen echt im Blut!

Bevor es in das heutige Guest House ging, gab es erst noch mal einen Besuch bei ein paar Verwandten von DB mit ganz bezaubernden Kindern, die sich auch nur zu gerne von mir durch die Luft schleudern liessen. Irgendwie muss ich das eh mit allen Kindern machen, muss an meiner Größe liegen. Dann ging es noch mal 20 Minuten weiter zu unserer ersten Unterkunft, die natürlich auch von anderen Verwandten von DB geführt wird, in dem Fall von einem Cousin. Die Unterkunft ist aber für nepalesische Verhältnisse sehr nett, einfach, aber man hat alles was man braucht und der Ausblick zurück ins Tal war echt toll und man konnte sich gar nicht vorstellen, dass man mal da ganz unten angefangen hat am heutigen Tag. Es waren dann eben doch ca. 900 Höhenmeter, die wir heute hinter uns gebracht haben. Und es war auch der schwierigste Teil des Treks, der Rest sollte dann einfacher werden.

Der Abend war dann sehr gemütlich, Trekker und Nepalis haben sich im Essensraum eingefunden, der gut geheizt wurde. Es waren zwar nicht wirklich viele andere Trekker anwesend, da die Hauptsaison erst im März losgeht. Aber zumindest eine junge Dame aus Deutschland war da und diese Chance habe ich gleich mal genutzt, um mal wieder ein bisschen Deutsch zu sprechen. Richtig komisch nach so langer Zeit! Ich schreibe zwar die Artikel für den Blog auf Deutsch und verlernt habe ich es sicherlich noch nicht, aber die ersten paar Minuten haben sich einfach komisch angefühlt.

Der Star des Abends war aber ein etwas älterer Herr namens Jimmy Wood, der fließend Nepalesisch sprach und sich auch mit den Nepalis bestens unterhalten hat. Es hat sich dann rausgestellt, dass er zwar Kanadier ist, aber die Hälfte seines Erwachsenenlebens in Nepal und Indien verbracht hat. Und zwar beruflich, da er als Ethnologe für eine südafrikanische Universität und National Geographic arbeitet. Er hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, Wissen zu konservieren, das zu verloren gehen droht. Das finde ich mal einen richtig spannenden Job! Er zieht also durch die Länder, wohnt häufig und lange Zeit mit den Einheimischen zusammen und konserviert eben ihr Wissen. Das geht dann über die Nutzung von Pflanzen über die Herstellung von Bögen bis zu einer speziellen Methode der Destillation, von der er mir auch ein Video gezeigt hat. Also wirklich ein breites Feld! Und dieses Wissen wird dann auch nicht wissenschaftlich veröffentlicht, da es teilweise wirklich altes mehr oder minder geheimes Familienwissen ist. Vielmehr wird damit versucht, den entsprechenden Völkern zu helfen. Interessanter Ansatz! Ach, nebenbei photographiert er auch noch für National Geographic, wie er meinte nicht so wirklich erfolgreich, aber er hat immerhin schon 50 mehr Bilder dort veröffentlicht als ich. Es gab also genug Gesprächsstoff für den Abend, der damit sehr nett und kurzweilig war, so kann es weitergehen.

Und dass der beste Ausblick gar nicht der runter ins Tal war, sondern die tolle Aussicht auf die Berge hinter dem Haus lag, sollte ich erst am nächsten Morgen entdecken. Aber davon dann im nächsten Artikel mehr…

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