Two men and one bike

Diesen Freitag hat nach ein paar durchwachsenen Tagen endlich mal wieder die Sonne rausgeschaut und jeder hat sich sofort von ihrer guten Laune anstecken lassen. So auch DB, der nach dem obligatorischen morgendlichen Dhaal Bhat und nachdem die Kinder in der Schule waren, meinte dass wir beide heute ein bisschen Sightseeing machen. Aber gerne doch, Abwechslung ist jederzeit willkommen!

Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, ist dass uns das wieder zu einer todesmutigen Fahrt mit dem Motorrad führen würde. Ich dachte, wir drehen uns zu Fuss ein bisschen in Pokhara rum und schauen uns dort was an. Also Kamera umgehängt und los… Doch als DB mit seinem Motorradhelm vor der Tür stand, ahnte mir schon, was da auf mich zukommen würde. Also dann lieber doch den Rucksack gepackt und dann konnte es endlich losgehen.

Wie immer hatte ich nicht wirklich eine Ahnung, wo es hingehen sollte, DB’s Aussagen dazu waren nicht wirklich eindeutig, aber das wird schon, dachte ich mir. Die erste Fahrt mit dem Motorrad durch die Stadt hatte ich ja schon erfolgreich überlebt, aber diesmal sollte es weit über die Stadtgrenzen hinausgehen. Das Ziel war der Begnas Lake, ein weiterer schöner See in Nepal außerhalb von Pokhara. Aber das wusste ich ja zu dem Zeitpunkt auch noch nicht, also hinter DB auf die Maschine gesetzt und die Fahrt geniessen. OK, die Fahrt im nepalesischen Verkehr zu geniessen ist dann so die andere Sache 🙂 Der Verkehr ist echt ganz schön chaotisch, es gab so ungefähr kein einziges Lebewesen in Nepal, das ich nicht auf der Strasse gesehen hätte, Verkehrsregeln sind für Angsthasen und mit einem Motorrad kommt man eh überall durch. Ob jetzt links oder rechts vorbei, ob auf der Strasse oder im Strassengraben, Hauptsache man kommt vorbei und kann seinen Geschwindigkeitsvorteil von mindestens 3 km/h ausspielen. Und immer schön hupen dabei, denn aufpassen müssen eigentlich immer die anderen, man selbst ist immer im Recht.

Und so sass ich dann eben hinter DB auf dem Motorrad, natürlich ohne Helm, aber darüber wollen wir gar nicht erst drüber nachdenken, und habe die ersten Minuten erst mal wieder ganz schön geschwitzt. Aber das hat sich zum Glück dann schön langsam gelegt, denn wenn man erst mal mit seinem Leben abgeschlossen hat, dann ist so eine Fahrt gleich viel entspannter, das werde ich mir für die nächste Fahrt merken! Na gut, ganz so schlimm war es dann auch nicht, DB ist zumindest für nepalesische Verhältnisse ein sehr vernünftiger Fahrer – oder hat zumindest an dem Tag Rücksicht auf seinen Fahrgast genommen. Und nachdem wir erst mal Pokhara und den Stadtverkehr hinter uns gelassen hatten, war ich schon relaxed genug, wir sind über ruhigere Landstrassen gecruised und dort hat sich dann endlich das Easy-Rider-Feeling eingestellt und das hat sich echt gut angefühlt! Ich musste die ganze Zeit „Born to be wild“ summen, sah die ganze Zeit über mich mit meinem Piratentuch und der Sonnenbrille im Helm von DB gespiegelt und kam mir so ungefähr wie die coolste Sau in ganz Nepal war. Aber nun gut, das bin ich ja auch! 😉

Die Fahrt dauerte dann knapp 40 Minuten und endete wie beschrieben am Begnas Lake. Dort kann man sich dann ein bisschen rumdrehen, sich den See und die Natur anschauen und natürlich wieder mit dem Boot fahren, denn darauf stehen die Nepalis wohl extrem. Touristisch ist das Ganze nicht wirklich erschlossen, es gibt lediglich ein paar Restaurants dort auf einem Hügel, aber das trägt eher zu dem Charme des Sees bei. Denn endlich mal wurde man nicht im 5-Minuten-Takt gefragt, ob man noch einen Trekking-Guide braucht, tibetanische Handkunst anschauen will oder einfach nur so Geld übrig hat. Mag aber auch an DB an meiner Seite gelegen haben, dass es so ruhig war. Lediglich eine dieser nepalesischen Mini-Geigen wollte man mir am Ende unbedingt wieder verkaufen, aber auch diesem Drang konnte ich gerade so widerstehen.

So konnte man also die Ruhe dort geniessen, sich ein bisschen um den See bewegen und die tollen Aussichten geniessen. Alles in allem also eigentlich recht schön dort. Von den ursprünglichen anderthalb Stunden, die der Ausflug dauern sollte waren wir schon weit entfernt, es wurde also schon nichts mehr damit, die Kinder um 13 Uhr aus der Schule abzuholen, aber das war auch kein Problem, das hat dann Rekha übernommen. Die Rückfahrt mit dem Motorrad konnte ich dann eigentlich nur noch geniessen und nur schade, dass ich davon keine Fotos machen konnte, aber das wäre dann doch etwas zuviel gewesen und ich habe so lieber mich festgehalten und nicht die Kamera. Ist auch besser so, denn Bodenwellen, Schlaglöcher, kleine Gräben und über die Strasse verlegte und notdürftig mit Teer zugekleisterte Stromkabel gibt es mehr als genug. Es ist also durchaus ratsam, sich die ganze Zeit gut festzuhalten, denn dann sind da ja auch noch die ganzen Busse, LKW’s, Radfahrer, Fussgänger, Kühe, Hunde, usw. auf der Strasse.

Das größte Abenteuer stand uns dann aber noch in Pokhara bevor, denn DB und ich sollten alle Sachen für das Picknick am kommenden Tag einkaufen. Dazu sind wir in den gleichen Supermarkt gefahren, in dem ich auch schon mit Rekha einkaufen war und dann ist es auch in Nepal nicht wirklich anders wie in allen anderen Ländern der Welt – schick mal zwei Männer ohne Ahnung in den Supermarkt mit dem Auftrag für 14 Leute alles für ein Picknick zu kaufen. Genau, wir standen natürlich da und hatten so ungefähr keine Ahnung, was wir besorgen sollten 😉 Ich hatte zumindest schon Ortskenntnisse und bin nicht ganz so verwirrt wie DB durch den Supermarkt geirrt, aber wusste natürlich trotzdem auch nicht, was wir besorgen sollten. Aber nun gut, auch hier ist es wie überall anders in der Welt, auch in Nepal hat mittlerweile jeder ein Handy und daher haben wir flugs Rekha angerufen und uns die Einkaufsliste durchgeben lassen. Damit hatten wir dann zumindest schon die Frage nach dem Was gelöst und mussten uns nur noch auf die Suche nach dem Wo machen, aber das war eine knappe Stunde später dann auch schon gelöst 🙂

Also bezahlt und dann nur noch zurück nach Hause. Klingt einfach, ist es eigentlich auch, bloss dass wir in der Zwischenzeit eben 4 prall gefüllte Tüten hatten, die auch noch auf dem Motorrad transportiert werden mussten. Aber auch dieses logistische Problem haben wir wie echte Männer gelöst und so hing eine Tüte links, eine rechts am Motorrad und die beiden anderen hatte ich in der einen Hand und damit ja noch immer noch eine Hand zum Festhalten frei. Da fiel es dann auch schon fast nicht mehr ins Gewicht, dass wir zwischendurch noch mal an einem Stand am Strassenrand angehalten haben und noch zwei Tüten mit Obst gekauft hatten. Die haben wir dann auch noch irgendwie befestigt und erstaunlicherweise sind nepalesische Tüten sehr stabil und so kamen wir am Ende unseres Trip tatsächlich mit allen Tüten glücklich und zufrieden im Foster Home an.

Und dann konnten wir uns auch schon auf die Vorbereitungen für den Ausflug zur World Peace Pagoda mit eingeschlossenem Picknick stürzen, aber das ist dann wieder eine andere Geschichte…

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